Die Bewegung der Evangelisierung erfolgte auf vorgeschriebenen Routen:
Die häufigste kam vom Orient her, aus dem syrisch-palästinensischen Raum und dies ist auch der Grund, warum der östliche und südöstliche Teil Siziliens noch vor anderen Gebieten dem Dringen des Christentums wichen und uns folglich eine beträchtliche archäologische Dokumentation des Frühchristentums überliefert hat. Wenn man die Karte der sizilianischen Friedhöfe in Betracht zieht, so wird eine erhebliche Konzentration der Zeugnisse im südöstlichen Raum klar ersichtlich; ein Gebiet, dass den aus dem Orient dringenden Impulsen sehr ausgesetzt, ihnen gegenüber aber auch sehr aufgeschlossen war. Die im Bereich der Kirchengeschichte und der Hagiographie (Biographie der Heiligen) erlangten Ergebnisse können dazu verwendet werden, die Etappen und die Bedingungen der Christianisierung der Städte und Vorstädte auf Sizilien zu rekonstruieren, doch all dies muss auf jeden Fall die Chronologie der Denkmalszeugnisse berücksichtigen, vor allem derer, welche in der Stadt Syrakus aufgefunden wurden, die nie weiter als das 3. Jhdt. zurückgehen. Nach Rom besitzt nämlich Syrakus die bedeutendsten, unterirdischen frühchristlichen Schätze. Im Vergleich zu anderen Städten der frühchristlichen Welt nimmt Syrakus eine vorrangige Stelle ein, was die Anzahl der unterirdischen Friedhöfe und die Anzahl der aufgefundenen Grabinschriften betrifft. Es ist besonders das Gebiet im Stadtviertel von Achradina, außerhalb der Stadtmauer, wo bereits im 1. und 2. Jhdt. unterirdische Gräber privaten Rechts gegraben werden, um einer Familie, einer Zunft oder jedenfalls einer geringen Anzahl Menschen zu dienen.
Wie man sich gut vorstellen kann, bleiben die heidnischen Beisetzungsgewohnheiten in dieser Art privater Friedhöfe erhalten und noch im 3. und 4. Jhdt. Ist es möglich, Zeichen einer heidnisch-christlichen Symbiose zu erkennen. Obwohl in den großen Gemeinschaftsfriedhöfen solcherlei Anzeichen noch im 3. Jhdt. weiter bestehen, ebben sie nach dem Kirchenfrieden – dem von Konstantin im Jahre 313 gewollten Toleranzedikt – immer weiter ab. Aber so wie in Rom muss man auch in Syrakus nicht auf Kaiser Konstantin warten, bis die ersten Katakomben entstehen; diese sind größer angelegte Friedhöfe, die der christlichen Gemeinschaft dienen sollen. Was die drei großen Friedhofsanlagen in Syrakus betrifft – Vigna Cassia, Santa Lucia und San Giovanni – so kann man getrost annehmen, dass der Ursprung der beiden ersten schon in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts liegt, während man bei letzterer nicht vom Toleranzklima absehen kann, das nach dem Kirchenfrieden entsteht. Die topographische Entwicklung, die Inschriften und andere Artefakte belegen dies.
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