Katakomben Vigna Cassi

Die Katakomben von Vigna Cassia Syrakus (Siracusa).

Das Grabareal von Vigna Cassia, das auf Anfrage bei der päpstlichen Kommission für Christliche Archäologie in Syrakus ( Siracusa) besichtigt werden kann, besteht aus einem Friedhof für die Gemeinschaft und auf fünf unterirdischen Gräbern privaten Rechts, die im 3., 4. und 5. Jhdt. entstanden sind. Die topographische Entwicklung der eigentlichen Katakombe bietet ein der römischen Modellen ähnliches Bild und weist drei Sektoren auf – Santa Maria die Gesú, Maggiore und Marcia – wobei erstere schon im Laufe des 3. Jahrhunderts entstehen, das letztere hingegen erst im 4. Jhdt. Die Veranschaulichung der Karte (Bild 1) belegt dies: der Friedhof Santa Maria di Gesú, auf der rechten Seite, wird aus der Erweiterung eines schon bestehenden Aquädukts gewonnen, in dessen Wände eine Reihe von Gräbern eingehauen werden (rechteckige Nischen mit sichtbarer Längsseite). Diese Lösung ermöglicht einen schnellen und billigen Eingriff am Gestein; eine Tatsache, die mit einer Periode vor Kaiser Konstantin gut in Einklag zu bringen ist. Einen Beleg für die frühe Datierung dieses Teilstücks finden wir im Friedhofsteil Maggiore – auf der Karte in der Mitte sichtbar. Seine Entstehung geht ungefähr auf die Mitte des 3. Jahrhunderts zurück, dies anhand einiger Münzen, darunter einiger unter Gallienus und Claudius II. dem Goten geprägt.

Ein Friedhof für die Gemeinschaft schließt keineswegs das Bestehen privater Räume (Cubicula) aus, die ja fast physiologisch sind. In unserem Fall bestehen sie aus kleinen Rundbauten, die aus der groben Wiederverwendung nicht mehr benutzter Wasserzisternen gewonnen werden; letztere stammen aus der vorhergehenden Trinkwasseranlage der Stadt. Auf der linken Seite der Karte sieht man den Friedhof von Marcia, der eine weniger wirre topographische Entwicklung hat und dessen regelmäßige Anlage deutlich an die Katakombe von San Giovanni erinnert. Das Entstehungsdatum dieses Areals rückt demnach im 4. Jhdt. vor, nach dem Kirchenfrieden. Dieser Teil fand noch mitten im 5. Jhdt. Verwendung, was auf die traditionellen Datierungen der Malerei von Marcia zurück geht, die man an der Hinterwand eines Bogengrabs in der NW-Abzweigung des Friedhofes auffindet.

Wenn die religiöse Mischkultur die ersten Katakombeneinheiten prägt, so betrifft sie zu gutem Recht noch vielmehr die unterirdischen Gräber des Plateaus über halb des Gemeinschaftsfriedhofes; diese sollten einzelne Familien oder Zünfte beherbergen und zeugen noch deutlicher von einem Zusammenleben zwischen Heiden und Christen. Wieder einmal wird diese Erscheinung durch die Inschriften am deutlichsten beurkundet. Erwähnenswert ist die 1997 durch die päpstliche Kommission für Christliche Archäologie in Syrakus durchgeführte Restaurierung der Malereien im Maggiore-Bereich, wodurch wir wiederum über einen gesamten, vollkommen christlichen Figurenzyklus verfügen – eines der wertvollsten Denkmäler der unterirdischen Schätze von Syrakus. Die Szenen, die symbolisch zwei Bogengräber verzieren, drücken die Rettung und die Auferstehung der Seele aus: zwei Momente aus der Jonastrilogie, Daniel in der Löwengrube, Bildnis eines Verstorbenen zwischen Betenden, Auferstehung des Lazarus und Pfauen im blühenden Paradiesgarten.

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